Autor: WWLW

Termin 15: Das Große im Kleinen verändern. Zur Gestaltungskraft kleinstrukturierter Initiativen

Termin 15: Das Große im Kleinen verändern. Zur Gestaltungskraft kleinstrukturierter Initiativen

06|04|19 Bei diesem Termin richteten wir das Augenmerk auf Initativen und Projekte in Innsbruck, die versuchen, das Große im Kleinen zu verändern. Damit sollte erneut eine eher auf gesellschaftliche Praxis abzielende Thematik angesprochen werden, nämlich der gestalterische Anspruch und die gestalterischen Möglichkeiten unterschiedlicher Initiativen aus dem Raum Innsbruck. Alternative Gesellschaftsentwürfe als gelebte Praxis. Wie können solche Ansätze gelingen? Welche Grenzen sind ihnen gesetzt? Neben der Vorstellung von und Berichten aus solchen Projekte, die einen gewissen sozialgestalterischen Ansatz verfolgen, war dieser Termin auch als Vernetzungstreff gedacht.

Janine Bex vertrat „pioneers of change“, einen gemeinnützigen Verein zur Bildung im Bereich nachhaltiger Entwicklung, Hannes Sucher den gegen Konsum und Wegwerfgesellschaft gerichteten „Kostnix Laden Innsbruck“ und Klaus Jahnel den auf die Bewahrung und Belebung einer sozialen Begegnungszone angelegten „Kulturverein Vogelweide“. Überdies wurde der Abend im Format „Poetry-Slam“ eingeleitet; diesen Teil übernahm Katrin Rauch alias Katrin ohne H.

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Termin 14: Wert und Würde des Menschen. Zur Begründung und Umsetzung der Menschenrechte

Termin 14: Wert und Würde des Menschen. Zur Begründung und Umsetzung der Menschenrechte

26|01|19 Dass alle Menschen frei, gleich und brüderlich seien, lautet eine gängige Parole, um den Menschenrechtsgedanken zum Ausdruck zu bringen. Seine theoretische Formulierung und vor allem die juristische Verankerung desselben werden von vielen als eine der wichtigsten Errungenschaft der Neuzeit betrachtet. Trotz ihrer zumeist zugestandenen intuitiven Plausibilität sind Menschenrechte aber sowohl in ihrer theoretischen Begründung als auch in ihrer praktischen Umsetzung recht anspruchsvoll. Wie also werden sie tatsächlich theoretisch gedacht und juristisch zur Anwendung gebracht? Zudem wurden Menschenrechte vor allem in jüngerer Vergangenheit bisweilen nicht nur als Exportgut des Westens, sondern auch als Instrument politischer Agitation kritisiert. Was lässt sich diesen Vorwürfen begegnen, oder sind sie etwa gar berechtigt?

Zur Diskussion erklärten sich diesmal bereit: Marie-Luisa Frick vom Institut für Philosophie, die sich von philosophischer Warte aus schon lange und intensiv mit Menschenrechten beschäftigt, Wolfgang Sinz, unter anderem ehrenamtliches Mitglied bei „Amnesty International“ Innsbruck, und Andreas Th. Müller vom Institut für Europarecht und Völkerrecht, zu dessen wissenschaftlichen Schwerpunkten auch internationaler Menschenrechtsschutz und humanitäres Völkerrecht zählen.

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Termin 13: Gesichter der Liebe. Vorstellungen von Beziehung, Romantik und Familie im historischen Wandel

Termin 13: Gesichter der Liebe. Vorstellungen von Beziehung, Romantik und Familie im historischen Wandel

24|11|18 Dem Anschein nach vollzieht unsere Gesellschaft eine Bewegung von ursprünglich religiös überformten Paarbeziehungen hin zu zunehmend offeneren Formen von Beziehungen. Wir wollten versuchen, diese Bewegung nachzuzeichnen, aber auch zu hinterfragen, ob bzw. inwiefern sie tatsächlich gesellschaftlichen Tatsachen entspricht oder (wenigstens zu einem erheblichen Teil) eher ein medial inszeniertes Randphänomen darstellt. Fernerhin versuchten wir der Frage nachgehen, wie weit sich Veränderungen zwischenmenschlicher Beziehungen möglicherweise mit anderen gesellschaftlichen (materiellen, politischen, ökonomischen …) Umbrüchen in Verbindung bringen lassen. „Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe“, schreibt Nietzsche, „es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.“

Wir konnten Frau Irene Berkel, Dekanin der Fakultät für Bildungswissenschaften, und Frau Maria Wolf vom Institut für Erziehungswissenschaften gewinnen, die sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit den geschichtlichen Veränderungen von Beziehungen, Liebe und Begehren beschäftigten. Mit ihnen diskutierten die Koordinatorin und  Sexualberaterin der Beratungsstelle „Courage Innsbruck“, Frau Ramanie Ramalingam, und Frau Lisa Vesely, psychologische Beraterin mit Schwerpunkt auf Paar- und Sexualberatung bei „Beziehung Bewegt“ (Wien). Wir hofften, auf diese Weise sowohl der wissenschaftlichen Makroperspektive gerecht werden zu können als auch einen Einblick in konkrete lebensweltliche Dimensionen zu erhalten

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Termin 12: Neue Rechte und alte Seilschaften: Rechte Bewegungen der Gegenwart und ihre Strategien

Termin 12: Neue Rechte und alte Seilschaften: Rechte Bewegungen der Gegenwart und ihre Strategien

18|10|18 Am 18. Oktober, fand im „Spielraum für Alle“ die 12. Diskussion von „Wie Wir Leben Wollen“ statt. Im üblichen Format, aber als Zusammenarbeit mit der Vorlesungsreihe „Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten“ der Universität Innsbruck wurde zu folgendem Thema diskutiert:

Unsere Gesellschaft erlebt fraglos den stärksten Rechtsruck seit Jahrzehnten. Dabei kommen zum einen alte Bündnisse wie Burschenschaften zu neuem Einfluss, zum anderen treten neue Gruppen wie die „Identitären“ auf den Plan. Mit welchen Mitteln und Strukturen agieren diese Gruppen? Wie behaupten sie sich im Diskurs? Und was kann ihnen eine liberale Gesellschaft entgegensetzen?

Den Impulsvortrag hielt Claudia Globisch vom soziologischen Institut der LFU-Innsbruck, deren wissenschaftlicher Schwerpunkt die wissenssoziologisch und diskursanalytisch orientierte Analyse von Aufkommen und Wandel der europäischen Rechten sowie deren gegenwärtigen Dynamiken darstellt. Mit ihr diskutierte Stephan Grigat (Uni Wien, MMZ Potsdam, Uni Haifa), der sich als Wissenschaftler und Publizist unter anderem mit unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus beschäftigt, mit Marxismus und Kritischer Theorie sowie der Geschichte linker Bewegungen. Alexander Winkler, der beispielsweise als Mitherausgeber des Sammelbands „Untergangster des Abendlandes: Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘“ auf sich aufmerksam machte, beteiligten sich als dritter Diskutant.

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Termin 11: Open Source und D.I.Y.: Wege zu einer demokratischen Technisierung

Termin 11: Open Source und D.I.Y.: Wege zu einer demokratischen Technisierung

06|05|18 Die Potentiale der rasant fortschreitenden Technisierung sind scheinbar grenzenlos und betreffen nahezu alle Facetten unserer Gesellschaft. Doch so verlockend sie auch sein mögen, so schwierig ist es auch, die damit einhergehenden Gefahren abzuschätzen. So scheint technologische Entwicklung etwa untrennbar mit finanziellen Mitteln verbunden und zahlreiche Beispiele wie Google zeugen von bedrohlich wachsenden Monopolstellungen. In Kooperation mit dem Referat „Wissenschaft und Verantwortlichkeit“ von der Universität Innsbruck wurde erörtert, ob die Open Source Community eine mögliche Antwort auf solche Entwicklungen bieten und zu einer Demokratisierung in der Technologie beitragen könne. Kann der D.I.Y. (Do it yourself) Ansatz ein Gegengewicht zu drohender Entfremdung und Abhängigkeit darstellen?

Wir haben drei spannende Diskutanten_innen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen finden können, um das Thema mit uns zu erörtern. Leonhard Dobusch (Impulsvortrag) forscht als Professor für Organisation an der Universität Innsbruck, u.a. zum Management digitaler Gemeinschaften und organisationaler Offenheit. Er ist unter anderem Mitglied des ZDF Fernsehrats und bloggt regelmäßig bei netzpolitik.org. Rocío Cachada Dibuja ist am Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation (UIBK) tätig und hat sich auf vielfache Weise theoretisch wie praktisch mit freien Medien und Empowerment durch dieselben beschäftigt. Ulrich Metschl lehrt und forscht Philosophie an den Universitäten Innsbruck und München, unter anderem in den Bereichen der sogenannten Praktischen Philosophie und der Technikphilosophie. Auch Heinrich Pan vom Innsbrucker „fablab“ nahm an der Diskussion teil, um konkrete Projekte und Möglichkeiten von D.I.Y. aufzuzeigen.

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Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Leonhard Dobusch können wir überdies die Präsentationsfolien des Impulsvortrags anbieten.


Fotografie: Alena Klinger

Termin 10: Zwischen Polyamorie und The One: Zum Wandel von Beziehungskonzepten in der Gegenwartsgesellschaft

Termin 10: Zwischen Polyamorie und The One: Zum Wandel von Beziehungskonzepten in der Gegenwartsgesellschaft

25|02|18 Diskussion und Vortrag kreisten diesmal um das Thema Polyamorie. „Polyamorie (aus dem griechischen „poly“ [viele] und dem lateinischen „amor“ [Liebe]) steht für „vielfache Liebe“. Es ist ein Oberbegriff für die Praxis, den Wunsch nach und die Akzeptanz von einvernehmlichen, verantwortungsvollen und achtsamen Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur selben Zeit. Das geschieht mit dem Wissen und dem Einverständnis aller Beteiligten.“ (nach polyamor.at)

Für den Vortrag konnten wir Lenya Bock (Leipzig) gewinnen, die sich als Soziologin intensiv mit unterschiedlichen Formen polyamorer Beziehungen beschäftigt und dabei insbesondere für Paare mit Kindern interessiert hatte. Ihr zur Seite stand die Photographin Julia Kopylova (Kassel), die sich unter anderem im Rahmen einer photographischen Dokumentation mit polyamor lebenden Personen und Familien unterhalten hatte. Die Veranstaltung wurde bereichert durch eine Ausstellung zum Thema von Julia Kopylova, über die unter dem Titel „Hunting Unicorns – About living in several love relationships at the same time“ hier nachgelesen werden kann.

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Fotografie: Kelvyn Marte

Sondertermin: Diskussion zur Landtagswahl 2018

Sondertermin: Diskussion zur Landtagswahl 2018

18|02|18 Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahl waren alle demoskopisch relevanten Parteien zu einem Sondertermin bei Wie Wir Leben Wollen eingeladen. Wir befragten die parteipolitischen Repräsentanten zu den wichtigsten Zielen für die bevorstehende Legislaturperiode und wollten wissen, welche Form der Umsetzung sie sich wünschen würden. Der Debatte folgte anschließend eine offene Diskussion, um das Gehörte hinterfragen zu können. Wir hofften, hiermit tragfähige Konzepte bestärken und zugleich visionäres Potential sichtbar machen zu können.

Von den eingeladenen Parteien waren folgende Teilnehmende vertreten:

ÖVP: Dominik Berloffa
Grüne: Gebi Mair
SPÖ: Georg Dornauer
Neos: Christine Kittinger
Liste Fritz: Markus Sint
Die FPÖ ließ sich aus terminlichen Gründen entschuldigen.

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Termin 9: Henne und Ei: Ein praktisches Problem. Strukturen und Tendenzen unserer Lebensmittelindustrie

Termin 9: Henne und Ei: Ein praktisches Problem. Strukturen und Tendenzen unserer Lebensmittelindustrie

28|01|18 An diesem Sonntag versuchte Markus Schermer, Professor für Soziologie an der LFU Innsbruck, an konkreten Beispielen der Landwirtschaft (insbesondere des Huhns) bedeutsame Konsequenzen und Probleme aufzuzeigen, die sich aus dem Auseinanderbrechen traditioneller Produktionsketten ergeben. Er erläuterte dabei Logiken von Kreislauf- und Subsistenzwirtschaften bis hin zu globalen Produktionsregimen, um die Grundlage für eine Diskussion zu liefern, wie man mit ihren Folgewirkungen umgehen könnte.

Mit ihm gemeinsam diskutierte Heinz Gstir, Obmann der Produzentenvereinigung Bio vom Berg, und lieferte dabei interessante Einblicke in faktische Gegebenheiten und Möglichkeiten der Lebensmittelproduktion.


Fotos: Kelvyn Marte

Termin 8: Über Freiheit gesprochen. Wie sich Autonomie linguistisch erwägen lässt.

Termin 8: Über Freiheit gesprochen. Wie sich Autonomie linguistisch erwägen lässt.

03|12|17 Bei diesem Termin gab es gleich zwei Impulsvorträge zum Thema Freiheit. Der Anspruch von Manfred Kienpointner vom Institut für Sprachwissenschaften der Universität Innsbruck war, Konzepte von Freiheit nicht bloß analytisch-deskriptiv oder gar normativ zu erläutern, sondern auch darzustellen, auf welche Idee von Freiheit wir uns stützen, wenn wir darüber sprechen. Der Fokus seiner Präsentation lag auf einer überblicksartigen Darstellung unterschiedlicher Konzepte von Freiheit und deren Implikationen.

Das zweite Referat stammte von Helmut Staubmann, Soziologe sowie Dekan der Fakultät für Soziologie und Politikwissenschaften, und konzentrierte sich eher auf soziale und kulturelle Aspekte von Freiheit. Beide Referenten vertraten die Ansicht, dass sich die Freiheit des menschlichen Handelns stets innerhalb gewisser Bedingungen abspiele, deren genauere Betrachtung dabei helfe, das Konzept von Freiheit deutlicher werden zu lassen und Irrtümer zu beseitigen. Sowohl die Annahme radikaler Willensfreiheit sei abwegig als auch einseitig deterministische Konzepte; der Spielraum, innerhalb dessen wir uns als frei handelnde Akteure wahrnehmen, werde nicht zuletzt kulturell verhandelt.

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Fotografie: Alena Klinger

Sondertermin: Diskussion zur Nationalratswahl 2017

Sondertermin: Diskussion zur Nationalratswahl 2017

08|10|17 Selten, so scheint es, waren derart viele Wählerinnen und Wähler so kurz vor einer Nationalratswahl unentschlossen – wenn nicht gar überfordert. Wen gilt es zu unterstützen, was gilt es zu verhindern? Wo soll sich Österreich in den kommenden Jahren hin entwickeln? Die außen- und innenpolitische Situation ist unübersichtlich, die bevorstehende Wahl scheint richtungsweisend, allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass in der öffentlichen Debatte vielfach Nebenschauplätze der politischen Diskussion im Fokus stehen. Wir luden zu einem Sondertermin in den Spielraum für Alle.

Die demoskopisch relevanten Parteien wurden angehalten, eine Kurzpräsentation zur Frage „Wie würde unsere Gesellschaft im Jahr 2050 aussehen, wenn es nach uns ginge?“ zu geben. Die Idee dahinter war, abseits von politischen Floskeln, Allgemeinplätzen und Wahlkampfgeplänkel das den jeweiligen Parteien zugrundeliegende Gesellschafts- und Menschenbild offenzulegen, das Utopische zu stärken und langfristige Visionen in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu lenken. Die Vorträge wurden gemeinsam mit dem Publikum diskutiert, um auf diese Weise sowohl Trennendes als auch Verbindendes herauszuarbeiten.

Von den wahlwerbenden Parteien stellten sich folgende Vertreter der Diskussion: SPÖ: Selma Yildirim, ÖVP: Christoph Appler, Grüne: Heribert Insam, Neos: Julia Seidl. Bei der Moderation unterstützte  uns Matthias Sauermann von der Tiroler Tageszeitung.

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Fotografie: Alena Klinger